26.12.2017

Swans gewinnen Derby-Krimi gegen Wels

Die Swans Gmunden gewinnen einen wahren Basketball-Krimi gegen das Team aus Wels mit 107:104 nach Verlängerung.

Das zweite "neue" OÖ-Derby startet vor einer tollen Kulisse und wie angekündigt ohne den Gmundner Center Povilas Gaidys. Und der zweite Legionär der Schwäne, Alex Wesby, wärmt zwar, auf, bleibt aber mit einer Wadenverletzung die gesamte erste Halbzeit auf der Bank, zuletzt bestritten die Gmundner übrigens 1978, also vor fast 40(!) Jahren, ein komplettes Erstligaspiel ohne Legionär, dazu sollte es heute dann aber doch nicht kommen … 

Und die Hausherren beginnen wie aus der Pistole geschossen, treffen nach einem 4:4 zum Auftakt (2.) dreimal in Serie von Downtown und sorgen so für eine frühe Welser Auszeit beim Stand von 13:4 (4.). Danach erhöhen die Swans noch bis auf 18:4 (5.) ehe den Flyers acht Punkte in Folge gelingen (18:12, 6.). Es folgt eine weitere Gmundner 14-Punkte-Führung (26:12, 8.), eine kurze Welser Aufholjagd zum 26:16 (9.) und der Schlusspunkt der Hausherren zum 30:17 in einem aufregenden und ereignisreichen Auftaktviertel.

Im zweiten nehmen die Gäste das Heft in die Hand, kommen rasch auf 32:25 heran und zwingen so dieses Mal die Swans zu einem raschen Timeout (13.). Das kann die Welser Aufholjagd aber nicht stoppen und in der 17. Minute ist es soweit, die Flyers gehen erstmals in der Begegnung in Führung (36:37). Bis zum Halbzeitpfiff verlässt die Hausherren nun auch etwas das Glück und so geht es mit einer 49:41-Gäste-Führung in die Kabinen.

Die zweite Hälfte starten die Gmundner dann mit Alex Wesby - aber ohne Aufholjagd. Nach 25 Minuten halten wir noch immer bei der Pausendifferenz (51:59), in der 28. Minute dann bei 61:67, zu diesem Zeitpunkt ist der Arbeitstag des an diesem Tag einzigen Gmundner Legionär übrigens schon wieder beendet. In derselben Minute folgt eine Auszeit der Flyers, in der die Gäste auf Zonenverteidigung umstellen - das hält die Swans aber nicht davon ab, in der Schlussphase des dritten Abschnitts auf 65:67 heranzukommen und so für ein spannendes vermeintliches Schlussviertel zu sorgen.

Das erkennt man schon daran, dass es in den ersten acht Angriffen dieses Viertels acht Führungswechsel gibt! Es folgt ein Unentschieden und ein Timeout der Swans beim Stand von 76:78 (34.). Drei Führungswechsel später halten wir beim Stand von 83:82 (37.). Nun kocht die Halle - und es gelingt einige Angriffe lang kein Korb, ehe die Flyers in der 39. Minute das 83:84 erzielen. In der gleichen Minute muss der erste Spieler mit fünf Fouls das Spielfeld verlassen, nämlich Milovan Draskovic von den Gästen - und der nächste Führungswechsel steht an, nämlich zum Gmundner 85:84 mit 77 Sekunden auf der Spieluhr. Der nächste Welser Angriff geht daneben, Adrian Mitchell bewahrt auf der anderen Seite 56 Sekunden vor dem Spielende die Nerven und verwandelt zwei Freiwürfe zum 87:84. Das kann man aber auch von Davor Lamesic behaupten, der mit 32 Sekunden zu spielen von Downtown für Wels ausgleicht. Nun dauert es nur wenige Sekunden, ehe Enis Murati Gmunden wieder in Führung bringt und die Flyers erhalten den Ball mit exakt 22,8 Sekunden auf der Uhr. Die Schwäne dürfen noch zweimal foulen, was sie auch ausnutzen. So gibt es 7,9 Sekunden vor dem Spielende Einwurf für Wels. Und nachdem es sich der Ball kurz überlegt, geht der Wurf von Elijah Wilson 2,4 Sekunden vor dem Ende doch noch zum Ausgleich in den Korb. Nun haben die Hausherren noch eine letzte Chance, aber Tilo Klette hat mit seinem Wurf weniger Glück - Verlängerung!

In der liegen zunächst immer die Flyers voran, meist mit zwei oder vier Punkten. In der 44. Minute holt sich dann mit Matthias Lionortner der erste Schwan sein fünftes Foul ab - und mit dem Beginn der 45. Minute können die Hausherren durch einen Dreier von Toni Blazan erstmals in der Overtime in Führung gehen. Es folgen Körbe von Siyani Chambers und Tilo Klette. Wels nimmt nun eine Auszeit, Spielstand: 105:104, noch zu spielen: 35,1 Sekunden. Die Gäste vergeben aber ihren nächsten Angriff, Tilo Klette holt den Defensivrebound und wird gefoult. Er kann aber nur einen Freiwurf zum 106:104 verwerten, daher wiederholt sich in den letzten 13,9 Sekunden dieses Spielchen: Die Gäste vergeben, die Swans, dieses Mal durch Toni Blazan, holen den Rebound und werden wieder sofort an die Freiwurflinie geschickt. Auch Toni Blazan trifft zwar nur einmal, holt sich aber den eigenen Offensivrebound und der Gmundner Sieg in einem der wohl besten OÖ-Derbys aller Zeiten ist in trockenen Tüchern.

Fazit:
Wieder einmal können die Swans einen starken Auftakt, der im ersten Viertel eine Führung von bis zu 14 Punkten brachte, nicht über das zweite Viertel retten. Dieses Mal war es aber nicht der mangelnde „Killerinstinkt“ der Schwäne. Vielmehr musste man der Tatsache, dass man ohne Legionär spielen musste, Tribut zollen. Und das, obwohl man zum Beispiel in der Besetzung Mitchell, Hieslmair, Linortner, Schartmüller, Murati zunächst eine durchaus beeindruckende Leistung zeigte. Aber dann verließen die Swans etwas die Kräfte und auch das Glück, was zu einem 49:41-Pausenrückstand führte.

Aber es gibt ja noch eine Halbzeit zwei – und unter anderem einen Enis Murati, der wieder einmal gezeigt hat, wer momentan der wertvollste Spieler der Liga ist. Mit 15 Punkten im dritten Viertel war er der Hauptverantwortliche dafür, dass unsere Mannschaft wieder herankam, mit weiteren 14 Punkten in Viertel vier und der Verlängerung war er dann einer der Väter dieses Sieges. Aber eben nur einer der Väter, denn letztlich hat jeder eingesetzte Spieler seinen Beitrag zum Erfolg geleistet, besondere Erwähnungen verdienen sich zum Beispiel noch Tilo Klette, in dessem „Verjüngungsprogramm“ nach seinem 40. Geburtstag heute offenbar 44,2(!) intensive Derbyminuten standen. Oder Matthias Linortner, der sich seine besten Saisonleistungen für die Zeit des Ausfalls von Povilas Gaidys aufgehoben hat bzw. unser Point-Guard-Duo Daniel Friedrich und Adrian Mitchell, dass in dieser heißen Begegnung nur 4 Turnover bei 11 Assists verzeichnen musste. Dazu ein gewohnt kampfstarker und treffsicherer Toni Blazan. Und damit wir alle erwähnen: Bei einem Spiel, dass in der Verlängerung entschieden wird, zählen auch die drei bzw. zwei Punkte von Lukas Schartmüller und Thomas Hieslmair besonders, genauso wie die wertvollen Pausen, die sie mit ihren fast fehlerlosen Einsätzen ihren Mitspielern gegeben haben – das gilt auch für Alex Wesby, der sichtlich gehandicapt siebeneinhalb Minuten lang sein Bestes gegeben hat.

Damit wurde die Gmundner Siegesserie auf 11 Spiele verlängert – und weil es ein Derby war und angesichts der Umstände ernennen wir diesen Erfolg zum bisher schönsten dieses Laufs ….

Endstand: 107 : 104 n.V. (30:17, 41:49, 65:67, 89:89) für Gmunden

Für Gmunden: Murati 36 (10 Ass.), Klette 23, Blazan 15, Mitchell 11, Linortner 10, Friedrich 7, Schartmüller 3, Hieslmair 2

Für Wels: Wilson 22, Lamesic 21, Chambers u. Draskovic je 16, Novas-Mateo 15, Csebits 14